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Vor tausend Jahren erhob sich am Weserbogen am Rande des Reinhardswaldes ein Kanononnissenstift. Die wechselhafte Geschichte hat deutliche Spuren auf der Halbinsel hinterlassen. Wenige Jahrzehnte nach der Reformation präsentierte sich das Klostergut auf einem Merian-Stich noch so: die Große Klosterkirche mit
anschließendem Kreuzgang und Klostergebäude, die kleine Stephani-Kirche und auf der anderen Weserseite das Vorwerk Eichhof mit seiner uralten, mächtigen Zehntscheune und der Mühle.
Erst die letzte Äbtissin, Dorothea von Stoffregen, sorgte 1610 im wirtschaft lich schon hart
angeschlagenen Kloster für die Einführung des evangelischen Glaubens. Damals lebten noch 30 Schwestern auf Hilwartshausen. Die Klostergebäude verfielen rasch, nachdem der 30-jährige Krieg über sie wütete. Die dicken Klostermauern wurden abgebrochen und fanden ihre neue Bestimmung als Garteneinfriedung oder als
Fundament für neue Gebäude.
Geblieben ist die kleine, um 1680 im gotisch-barocken Mischstil renovierte Kirche mit dem Altar von 1688 und
der Kanzel von 1691. Auch der achteckige Taufstein stammt noch aus der Klosterkirche. Der massive
Turm, der an der westlichen Giebelseite stand, musste wohl wegen Baufälligkeit abgerissen werden. Seit 1880 klingt die Glocke am renov ierten Treppengiebel. Seit 1790 gehört sie hierher und ruft noch heute regelmäßig zum Gebet: An Weihnachten, Ostern und Pfingsten finden in der Kirche jeweils am zweiten
Feiertag Gottesdienste statt. Zudem in den Sommermonaten von Juni bis September an je einem Sonntag im Monat. Dass es die Glocke heute noch gibt, ist ein glücklicher Umstand.
Im zweiten Weltkrieg musste sie abgeliefert und sollte zu Kriegsmaterial eingeschmolzen werden. Pfingsten 1942 erklang sie zum vorerst letzten Mal. Nach
Kriegsende wurde sie auf dem Hamburger Glockenfriedhof wiederentdeckt und fand ihren Weg zurück nach Hilwartshausen, wo sie seit Juni 1948 wieder läutet. Das Gutshaus wurde später,
nämlich 1689, erbaut - teilweise auf den alten Fundamenten der Klosterkirche.
Im Gutspark liegt versteckt der Schneckenturm: Wie die Steinmauern
zur Weser hin wurde auch er erst Ende des 18. Jahrhudnerts, also lange nach der Klosterzeit, gebaut. Vermutlich war der aus Kalk- und Sandsteinblöcken errichtete Wendelgang ein Gestaltungselement des
Barockgartens, wie wir aus einem Briefwechsel zwischen Johan Wolfgang v. Goethe und dem damaligen Administrator wissen. Jedenfalls ist es keine Büßertreppe, auf der Nonnen auf Knien
heraufrutschen mussten, wie die Sage berichtet.
Zum Tag des offenen Denkmals kamen 1996 über 1000 Menschen auf das Klostergut Hilwartshausen.
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